Wenn ein Fingerzeig plötzlich ganz viel sagen kann: Neue Kommunikationstafeln auf Gut Karlshöhe
Auf einem Spielplatz braucht es eigentlich nicht viele Worte. Ein Kind zeigt auf die Schaukel. Ein anderes winkt und läuft los. Jemand ruft „Nochmal!“, ein anderes Kind sagt „Stopp“. Vieles funktioniert ganz selbstverständlich – über Sprache, Gesten, Blicke und Bewegungen.
Aber was, wenn gesprochene Sprache nicht oder noch nicht funktioniert? Was, wenn ein Kind sich etwas wünscht, aber die passenden Worte nicht findet? Oder wenn Kinder miteinander spielen möchten, aber unterschiedliche Sprachen sprechen?
Auf den Spielplätzen von Gut Karlshöhe gibt es dafür jetzt eine neue Möglichkeit: integrative Kommunikationstafeln mit leicht verständlichen Symbolen.
Eine gemeinsame Sprache auf dem Spielplatz
Die Tafeln machen verschiedene Begriffe, Wünsche, Gefühle und Aussagen über Symbole zugänglich. Kinder können auf ein Symbol zeigen und damit ausdrücken, was sie möchten, was sie gerade empfinden oder was beim gemeinsamen Spielen passiert.
So kann ein Fingerzeig zum Beispiel bedeuten: „Ich möchte schaukeln“, „Komm mit“, „Nochmal“, „Ich brauche Hilfe“ oder auch einfach „Stopp“.
Für Kinder, die nicht oder nur eingeschränkt über Lautsprache kommunizieren, können solche Tafeln eine wichtige Unterstützung sein. Sie ermöglichen ihnen, eigene Wünsche und Bedürfnisse auszudrücken, Entscheidungen zu treffen und mit anderen Kindern in Kontakt zu kommen.
Dabei sind die Kommunikationstafeln ausdrücklich nicht nur für Kinder gedacht, die unterstützte Kommunikation nutzen. Alle Kinder können sie ausprobieren. Sie können gemeinsam entdecken, was die Symbole bedeuten, sich gegenseitig etwas zeigen und erleben, dass Kommunikation auch ohne gesprochene Sprache funktioniert.
So kann die Tafel selbst Teil des Spiels werden.
Gemeinsam planen statt nur gut gemeint
Damit die Tafeln nicht nur auf dem Papier barrierearm sind, sondern auch im Alltag gut funktionieren, haben wir die Wohngruppe Karlshöhe von Via e.V. in die Planung einbezogen.
Gemeinsam wurde vor Ort geschaut: Wo sollen die Tafeln hängen, damit sie gut sichtbar sind? Welche Höhe ist geeignet? Sind die Symbole auch aus der Perspektive eines Rollstuhls gut zu erkennen und erreichbar? Und wo lassen sie sich so platzieren, dass sie tatsächlich in die Spielsituation eingebunden werden können?
Die Bewohner:innen und Mitarbeitenden der Wohngruppe konnten ihre Erfahrungen und Perspektiven direkt einbringen und bei der Auswahl der Standorte und der Anbringung mitentscheiden.
Das ist uns wichtig. Denn Barrierefreiheit lässt sich nicht allein vom Schreibtisch aus beurteilen. Was für eine stehende Person gut erreichbar erscheint, kann aus einer sitzenden Position ganz anders aussehen. Blickwinkel, Höhe, Abstand und Sichtbarkeit spielen eine entscheidende Rolle.
Inklusion sollte deshalb nicht nur für Menschen geplant werden, sondern gemeinsam mit ihnen.
Die Zusammenarbeit mit der Wohngruppe Karlshöhe zeigt, wie wertvoll diese Perspektive sein kann: Menschen, die selbst mit einem Rollstuhl unterwegs sind, können unmittelbar beurteilen, was im Alltag funktioniert – und wo es noch Barrieren gibt.
Mitmachen beginnt mit Verständigung
Gerade auf einem Spielplatz entstehen ständig neue Begegnungen. Kinder treffen auf andere Kinder, die sie vorher nicht kannten. Sie beobachten, was die anderen machen, wollen mitspielen, müssen sich absprechen oder deutlich machen, dass ihnen etwas zu viel wird.
Die Kommunikationstafeln können dabei eine Brücke sein. Sie schaffen eine zusätzliche Möglichkeit, miteinander in Kontakt zu kommen – unabhängig davon, welche sprachlichen Fähigkeiten ein Kind mitbringt.
Ein Bild. Ein Fingerzeig. Eine Geste.
Komm. Nochmal. Stopp. Spielen.
So wird Kommunikation auf dem Spielplatz für mehr Kinder zugänglich.
Ein Spielplatz für möglichst viele
Mit den neuen Kommunikationstafeln möchten wir Barrieren abbauen und allen Kindern eine weitere Möglichkeit geben, sich auszudrücken und miteinander zu spielen.
Die Tafeln stehen allen offen und können bei jedem Besuch ausprobiert werden.